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18.01.2018 Kategorie: Sonderausbildung

Ein Blick(e) in die Lehrleitstelle - Teil 3

"Hier ist der Notruf für Feuerwehr und Rettungsdienst" - Mit diesem Satz beginnt jedes der ca. 2.500 Notrufgespräche die in der Integrierten Lehrleitstelle (ILLS) an der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried realitätsnah während des Lehrgangs Disponent Integrierte Leitstelle eingespielt werden.

Der Lehrgang Disponent Integrierte Leistelle ist bayernweit einheitlich und dauert insgesamt 7 Wochen. Er besteht aus 24 Lehrgangsteilnehmern die aus den 26 Integrierten Leitstellen aus ganz Bayern nach Geretsried kommen, um dort auf ihre Aufgabe als Disponent/in vorbereitet zu werden.

Die Unterrichtseinheiten bestehen dabei aus einem umfangreichen Theorieblock, der sich um den rechtlichen Aspekt in Bezug auf das Handeln und Wirken in einer Integrierten Leitstelle bezieht sowie einem detaillierten Themenblock in dem die Besonderheiten der einzelnen Einsatzarten handlungsorientiert erarbeitet werden. Hierzu gehören auch Exkursionen in verschiedene Kliniken sowie der Besuch eines Rettungshubschrauberstandortes und der Bergwacht um dort die Einsatzmöglichkeiten bei einem Einsatz im alpinen Gelände kennenzulernen.

Einen weiteren Schwerpunkt in der Ausbildung bildet der Praxisteil in der Integrierten Lehrleitstelle. In dieser stehen insgesamt 12 Einsatzleitplätze, sogenannte ELP’s, für die Teilnehmer zur Verfügung. Die ELP’s bestehen aus vier Monitoren zur Einsatzbearbeitung mit der bayernweiten Einsatzleitsoftware ELDIS 3 BY, einem Touch Monitor zur Steuerung der Kommunikation (Telefon & Funk) sowie einem weiteren Monitor über den ein Verwaltungsnetz, getrennt vom Einsatzleitsystem, Verbindung zur Außenwelt hat. Über diesen können z.B. Recherchearbeit im Internet oder eine Gefahrgutabfrage durchgeführt werden.

Je nach Unterrichtsthema wird die Unterrichtsform in der Praxis entsprechend angepasst.

Für die Systemeinweisung wird dies im Tutorialbetrieb für die Teilnehmer durchgeführt. Der Ausbilder zeigt und erklärt einzelne Systemkomponenten sowie Funktionen. Im Anschluss daran wiederholen die Teilnehmer dies eigenständig mit Übungsaufgaben und können somit das Erlernte direkt in die Praxis umsetzen.

Zur Schulung der einzelnen Einsatztypen und deren Schlagwörtern wird die Integrierte Lehrleitstelle in vier einzelne Leitstellen mit je drei Einsatzleitplätzen systemtechnisch umgestellt. Die Teilnehmer erhalten hierbei gezielt themenbezogene Notrufe und wickeln diese im sog. Dispatcherprinzip ab. Im Dispatcherprinzip führt der Teilnehmer alle Aufgaben beginnend von der Notrufannahme, über die Disposition, die Alarmierung und der Einsatzbegleitung eigenständig durch. Somit kann die Systemsicherheit und die Erarbeitung eines Schlagwortes gestärkt werden. Im späteren Verlauf dieses Gruppenbetriebes wird das Augenmerk auf die Zusammenarbeit untereinandergelegt. Erhält ein Teilnehmer einen Notruf in dem eine Telefonreanimation durchgeführt werden muss, so ist es die Aufgabe des Teams den Kollegen zu unterstützen um die Einsatzkräfte bereits zu alarmieren während der notrufaufnehmende Teilnehmer die Telefonreanimation anleitet.

Die Intergierte Lehrleitstelle bietet mit Ihrer Ausstattung eine einmalige Gelegenheit Großschadenslagen in einer Leitstelle zu simulieren. Hierbei werden Schadenslagen mit der Besetzung aller 12 ELP‘s mit den Teilnehmern durchgeführt. Hierzu wird auf das sog. Sachbearbeiterprinzip umgestellt. Notrufe werden dabei von Teilnehmern mit der Funktionsrolle „Telefonist“ entgegengenommen und per Systemfunktion an die „Funktionsplätze“ (Feuerwehr & Rettungsdienst) weitergeleitet. Diese führen dann die Disposition und Alarmierung der benötigten Einsatzkräfte durch. Ist aufgrund des Meldebildes oder des Notrufaufkommens abzusehen, dass sich die Einsatzlage zu einem größeren Ereignis entwickelt, so muss der Teilnehmer mit der Funktionsrolle „Schichtleiter“ die Entscheidung über die Inbetriebnahme eines Sondereinsatzleitplatzes treffen. Hierzu wird die Großschadenslage mit ihren Einsatzmitteln auf einen Sonderfunkgruppe und einem Sondereinsatzleitplatz (SLP) überführt. Der SLP begleitet nun die Großschadenslage und schafft somit Entlastung auf dem eigentlichen Funktionsplatz für das weiterlaufende Tageseinsatzgeschehen. Zusätzlich wird bei den Großschadenslagen auch die Lageführung in einer Leitstelle trainiert. Hierzu steht mittlerweile ein interaktives SMARTBoard zur Verfügung.

Aufgrund der sicherheitspolitischen Lage gehören leider aber auch Amok- und Terrorlagen mittlerweile zu diesen Großschadenslagen in der Integrierten Lehrleitstelle dazu. Auf diese Einsatzlagen müssen die Teilnehmer ebenso vorbereitet werden wie auf alle anderen möglichen Unglücke.

Eine weitere Unterrichtsform ist die Einzelplatzsimulation mit speziellen Fallbeispielen. Hierbei arbeitet ein Teilnehmer eigenständig verschiedene Einsatzszenarien ab. Ein Ausbilder bewertet die durchgeführten Aktionen anhand einer vordefinierten Checkliste und gibt dem Teilnehmer ein gezieltes Feedback zu seiner Einsatzbearbeitung. Die restlichen Teilnehmer verfolgen das Einsatzgeschehen und die durchgeführten Systemschritte im Liveview über Beamer. Dieser Punkt wird zukünftig noch verstärkt mit einer neu eingeführten Videotechnik durchgeführt werden können.

Wo kommen nun die Notrufe für all diese Szenarien her? Das Ausbilderteam verfügt über eine umfangreiche Szenariendatenbank in der alle wichtigen Daten und der Ablauf der einzelnen Beispiele beschrieben sind. Eingespielt werden diese Notrufe von nebenberuflichen „Regiemitarbeitern“. Diese kommen aus dem Bereich des Rettungsdienstes, der Feuerwehr und aus Integrierten Leitstellen. Je nach Unterrichtsform stehen somit bis zu 10 Einspieler zur Verfügung.

Nachdem die Teilnehmer sechs Wochen sehr intensiv auf ihre Aufgabe vorbereitet wurden, erfolgt in der siebten Woche die Prüfung. Diese setzt sich aus einem schriftlichen, einem mündlichen sowie einem praktischen Prüfungsteil zusammen.

Aktuell befindet sich der 806. Teilnehmer an der Staatlichen Feuerwehrschule in Geretsried im Lehrgang. Das Erfolgsmodell Bayern mit einer einheitlichen und zentralen Ausbildung für Disponenten Integrierter Leitstellen ist somit auf dem richtigen Weg.

BOI Stefan Ertl, 18.01.2018